E M M A TEIL 2

E M M A   TEIL 2   „PLANÄNDERUNG“

EIN ANFANG

Ihre Erleichterung, heil an Land angekommen zu sein, hielt nur für einen kurzen Augenblick. Die Auswirkungen des Sturms waren auch an Land verheerend. Am Strand lagen gekenterte Boote. In den Straßen fand sie eingestürzte Häuser. Verzweifelte Menschen liefen umher, die nach vermissten Personen suchten. Und der Sturm tobte immer noch heftig. Niemand wusste, wann er vorbei sein würde und wie das Leben danach aussehen würde.

Emma bekam Angst vor der Zukunft. Wie sollte sie weiterhin ihre Brötchen verdienen, wenn sie nicht mehr raus aufs Meer fahren konnte?

Nicht nur ihre Zukunft hing davon ab, sondern auch das Überleben ihrer treuen Mitarbeiter. Sie hatte keine finanziellen Mittel, um sich ein größeres Boot anzuschaffen, das für Stürme dieser Art geeignet war. 

Ihr wurde bewusst, dass sie nicht nur eine Notlösung, sondern einen gut überlegten Plan für die nächste Zeit benötigte – ja, vielleicht sogar für immer.

FEUERFISCHE

Wenn Emma über wichtige Dinge nachdenken muss, nimmt sie ihre Kuscheldecke und geht an den Strand zu ihrer Lieblingsbucht. Hier kommen ihr immer die besten Ideen.

Dieses Mal beschloss sie nicht alleine zu gehen, sondern ihr Team mitzunehmen. Emma weiß, dass sie zusammen mit ihrem Team noch stärker ist. So würden sie hoffentlich gemeinsam eine Möglichkeit finden, diese Situation zu meistern. Während sie zu dritt auf der Kuscheldecke saßen, entdeckte Emma einen Schwarm bunter Fische in die Bucht schwimmen. Diese in allen Farben schillernde Exemplare hatte sie zuvor noch nie gesehen. Es war ein beeindruckendes und einzigartiges Schauspiel.

Paul, Emmas flinker Auszubildender, löste sich als erster von diesem Anblick. „Emma, Emma“, rief er aufgeregt. „Das sind seltene Feuerfische, ich glaube sie kommen in die Bucht geschwommen, weil der Meeresspiegel gestiegen ist.“ Paul kennt sich mit seltenen Fischarten besonders gut aus. Emmas Interesse war geweckt. So Paul weiter:„Diese Fische sind wahnsinnig selten und eine wahre Delikatesse. Wir könnten sie hier in der Bucht angeln und müssten nicht mehr raus aufs Meer fahren. Mit diesem Fang machen wir mehr Geld als mit unseren Makrelen.“ 

Er hatte Recht, das Team nickte zustimmend. Auf dieses Zeichen hatte Emma gehofft. Emma spürte, das war die Idee zur Rettung der Fischerei.

DIE IDEE IST REIF.

Eine funktionierende Angelausrüstung hatte Emma  aus früherer Zeit noch parat. In Gedanken sagte Emma: „Aber was machen wir jetzt nur mit den ganzen Fischernetzen und Seilen, die wir nicht mehr brauchen?“

„Ich hätte eine Idee, wofür wir die Fischernetze und Seile nutzen könnten“, meine schließlich Hannah, Emmas beste Freundin und rechte Hand.  „Wir könnten daraus Schmuck herstellen! Aus diesen Materialien lassen sich schöne Armbänder und Ohrringe fertigen. Ich wollte das schon immer mal ausprobieren, hatte aber Angst, es zu versuchen.“

 

Emma blickte strahlend ihre Freundin an. Genau, das ist die Idee! Hannah Aus diesen Materialien hat bisher noch niemand Schmuck hergestellt. Sie dachte daran, dass sie dieser Idee unter anderen Umständen nicht zugestimmt hätte, doch jetzt war sie froh darüber. Sie könnten damit ein weiteres sicheres Standbein für ihren Betrieb schaffen. 

 

STANDBEINE

Die vier saßen noch bis spät in den Abend an der Bucht und entwickelten weitere Ideen und Möglichkeiten, aus der einfachen Fischerei eine komplexere und originellere Firma zu machen: 

Eine eigene Fischzucht, ein Fisch-Restaurant, ein Schulungsbetrieb für Fischkunde… In ihrer Fantasie entstand ein stabiler Betrieb, mit dem sie für alle Stürme dieser Welt bestens gewappnet sind.

Emma war sich sicher: Dieser Sturm bedeutete keinen Untergang, nichts vor dem sie Angst haben musste – im Gegenteil. Der Sturm war eine riesige Chance, der Fischerei eine neue Richtung zu geben. Eine stabile Zukunft, die noch eine zweite und dritte Generation ernähren konnte.

– ENDE –

BILDERBUCH-VIDEO
MIT PERSÖNLICHEN MUTMACH-WORTEN VON MELANIE SCHÖNFELD